Metallhandwerk unter Druck: Jetzt braucht es schnelle Reformen

In seinem Präsidentenbrief thematisiert Willi Seiger aktuelle Themen. Hohe Kosten, Fachkräftemangel und immer neue Vorschriften bringen viele Betriebe an die Grenze. Der Bundesverband Metall (BVM) unterstützt zentrale Reformforderungen der Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände und bringt sie in den politischen Dialog ein. Es geht um mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit, Anreize fürs längere Arbeiten, Entlastung bei den Sozialabgaben und endlich spürbaren Bürokratieabbau.

Engagiert und hörbar: Willi Seiger, Präsident im Bundesverband Metall (BVM)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder des Metallhandwerks,

die wirtschaftliche Lage bleibt für viele unserer Betriebe herausfordernd. Hohe Kosten, zunehmender Fachkräftemangel und eine stetig wachsende Regulierungsdichte engen den unternehmerischen Handlungsspielraum spürbar ein. Gerade das produzierende Metallhandwerk befindet sich aktuell in einer existenzbedrohenden Krise. Umso wichtiger ist es, dass die politischen Rahmenbedingungen wieder stärker und vor allem schnell an der betrieblichen Realität ausgerichtet werden.
Die führenden Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände in Deutschland haben hierzu klare Reformforderungen formuliert. Diese Forderungen decken sich in zentralen Punkten mit den Interessen des Metallhandwerks. Als Verband bringen wir sie aktiv in den politischen Dialog ein.

Arbeitszeitrecht modernisieren – europäische Spielräume nutzen

Das geltende Arbeitszeitgesetz ist in vielen Bereichen zu starr und wird den heutigen Anforderungen der Betriebe und der Beschäftigten nicht mehr gerecht. Gefordert wird eine Anpassung des Arbeitszeitrechts an das Niveau der europäischen Arbeitszeitrichtlinie. Konkret bedeutet das: weg von einer engen täglichen Höchstarbeitszeit hin zu einer stärkeren Orientierung an Wochen- oder Jahresarbeitszeiten. Für das Metallhandwerk mit projektbezogenen Auftragsspitzen, saisonalen Schwankungen und witterungsabhängigen Arbeiten würde dies deutlich mehr Flexibilität schaffen – ohne den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu schwächen. In anderen Berufszweigen wie z.B. Krankenhäusern, Gastronomie oder Landwirtschaft geht dies ja auch. Voraussetzung ist zugleich, dass zusätzliche Bürokratie und neue Dokumentationspflichten ausdrücklich vermieden werden.

Länger arbeiten ermöglichen – Frühverrentung weniger attraktiv machen

Der demografische Wandel verschärft den Fachkräftemangel spürbar. Gleichzeitig setzen die bestehenden rentenrechtlichen Regelungen weiterhin Anreize für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben.
Arbeitgeberverbände fordern daher ein flexibleres Renteneintrittsalter, das längeres Arbeiten erleichtert und honoriert. Gleichzeitig sollen die finanziellen Anreize für eine frühe Rente reduziert werden. Diskutiert wird unter anderem, den monatlichen Abschlag bei vorzeitigem Renteneintritt für langjährig Versicherte von derzeit 0,3 % auf 0,5 % anzuheben. Ziel ist es, Erfahrung und Know-how länger im Betrieb zu halten – auf freiwilliger Basis und unter fairen Bedingungen für alle Beteiligten.

Krankenversicherung reformieren – Beiträge gezielt entlasten

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Arbeitgeber und Beschäftigte tragen derzeit erhebliche Kosten für sogenannte versicherungsfremde Leistungen, etwa für die gesundheitliche Absicherung von Grundsicherungsempfängern. Diese Leistungen sind gesellschaftliche Aufgaben und müssen daher aus Steuermitteln finanziert werden – nicht aus Beiträgen der Betriebe und ihrer Beschäftigten. Diese Auffassung stützen im Übrigen auch die gesetzlichen Krankenversicherungen, die gegen den Bund auf höhere Kostenbeteiligung klagen.  Eine klare Trennung würde die Beitragssätze stabilisieren und die Lohnnebenkosten spürbar entlasten.

Zugleich fordern wir mehr Effizienz im Gesundheitssystem, etwa durch eine bessere Steuerung der ärztlichen Versorgung mittels eines Primärarztsystem zum Abbau von Doppelstrukturen und Doppeluntersuchungen.

Bürokratie abbauen – Arbeitsschutz praxisnah gestalten

Der Schutz der Beschäftigten ist für unsere Betriebe selbstverständlich. Gleichzeitig hat sich im Arbeitsschutz ein kaum noch überschaubarer Berg an Dokumentationspflichten aufgebaut.

Gefordert wird, überflüssige, doppelte oder rein formale Nachweispflichten zu streichen und den Fokus wieder stärker auf die tatsächliche Gefährdungsbeurteilung im Betrieb zu legen. Weniger Papier bedeutet mehr Zeit für echte Prävention – und für das operative Geschäft.

Wir haben ein gemeinsames Ziel

Diese Reformen sind kein Selbstzweck. Sie sind notwendig, um das Metallhandwerk wettbewerbsfähig zu halten, Arbeitsplätze zu sichern und unternehmerisches Engagement wieder zu stärken. Als Verband werden wir diese Positionen weiterhin mit Nachdruck gegenüber Politik und Verwaltung vertreten.
Ich lade Sie ein, diesen Weg aktiv mitzugehen und die Stimme des Metallhandwerks gemeinsam hörbar zu machen.

Mit freundlichen Grüßen
Euer Willi Seiger, Präsident Bundesverband Metall